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discovery



EXILES ON MAINSTREAM

is a project of Rhizom / Graz / Austria as part of the V:NM festival. listening sessions, statements, discourse, artwork, installation with following amazingv austrian labels: chmafu nocords, god records, rock is hell, epileptic media, numavi records and interstellar records.
this project runs from may 23rd till may 27th 2017 at Rhizom / Palais Attems / Graz.

[rhizom.mur.at]

supported by:



[ske-fonds.at]

08/11/2004

ZWISCHEN DEN FIXSTERNEN - interview mit BIGKULT

Warum ein Labelportrait/Interview/Bericht? Und warum gerade mit INTERSTELLAR RECORDS? Ja, wahrscheinlich einerseits deswegen, weil hier ein gewisses Fantum mitspielt, und andererseits, weil es einfach notwendig ist auf Leute aufmerksam zu machen, die ihre Freizeit dafür hergeben, Musikern mit allen Mitteln unter die Arme zu greifen und überhaupt Musik zu unterstützen, die auch abseits der ausgelutschten "Szenen" besteht, und die darüber hinaus auch noch funktioniert. INTERSTELLAR RECORDS, kurz INT, haben ihren Sitz in Linz und werden von Richie, Aina und Mercy betrieben. Sie alle kommen aus dem Umfeld der Linzer Hardcore-Szene. Im folgenden Interview geht es um Vernetzung, Politik, Motivation, Identität und vieles mehr. Beantwortet wurden die Fragen gemeinsam von Richie, Aina und Mercy. Im Anschluss an das Interview stellen wir Euch einige Bands vor, die auf INT released wurden. Dazu sei gleich gesagt, dass die Bands rein willkürlich ausgesucht wurden, da Besprechungen Aller den Rahmen gesprengt hätten. Aufgrund dessen können wir Euch die neueste Veröffentlichung, EGOTRIP, leider nicht näher bringen.

DAS INTERVIEW

So, wie fangen wir am besten an? Nehmen wir einfach mal die leichteste Frage: Wie sieht die Historie von Interstellar Records aus? Welche Beweggründe gab es, das Label zu gründen?

Also begonnen hat alles im Jahr 2001 - nach der Auflösung von "Jurassic Punk Rec.", an dem Richie beteiligt war. Der letzte Release von JPR war dann gleichzeitig der erste Release von Interstellar Records (INT000 Compilation "Ad Nauseam"). Interstellar ist dann am 30.03. 2001 aus der Ursuppe gekrochen. Den Urknall eingeleitet haben die Gitarren-Noiser Turnout aus IBK und die Noise-Elektroniker Calamari:Autopsy in der Druzba zu Linz.
Beweggrund zur Gründung des Labels war einfach, der Independent-Szene rund um uns eine weitere Plattform (mit-)zubieten. Das wollten wir aber nicht auf unsere unbedingt unmittelbare "Szene" beschränken (im Gegensatz zu JPR, die ja doch in erster Linie im Ö-Pool gefischt haben). Bei INT ist uns weiters der Vernetzungsgedanke ein wichtiger Aspekt.

Ihr sprecht den Vernetzungsgedanken an. Wenn man sich das ganze eher aus der Distanz ansieht, d.h. auch aus der BIGKult-Distanz und d.h. auch aus der Sicht von Leuten, die im nördlichen NÖ ihr Musikerdasein fristen und wo es so gut wie keine Vernetzung oder Szenenbildung gibt, dann bemerkt man (wenn man sich ein bisserl umsieht), dass es überhaupt im Raum Linz und Umgebung eine Zusammenballung von Vereinen, Bands und Plattformen gibt. Stimmt das? Macht das Eure Arbeit leichter? Worauf ich hinaus will: ist es für Euch leichter, durch diese "Szenierung" mehr Leute zu erreichen?

Hm, ja der Eindruck ist schon richtig. In Linz bzw. Oberösterreich gibt es eine sehr gute (sub-)kulturelle Infrastruktur, Locations, Vereine und Radiosender wie z.B. das FRO. Tatsache ist auch, dass in einer Stadt aufgrund der Bevölkerungsdichte auch der Anteil an Musik- und Kulturinteressierten bzw. Gleichgesinnten ungleich höher ist als am Land. So gesehen ist es also schon leichter Leute zu erreichen als vielleicht in der tiefsten Provinz (dass es da aber genauso möglich ist haben die Vorchdorfer/Pettenbacher, und u.a. auch Richie, als er noch ein Landei aus dem Salzkammergut war, bewiesen). Zusätzlich erleichtert wird Kulturarbeit in Linz zur Zeit auch noch durch die Bemühungen der Stadtregierung den Titel "Kulturhauptstadt 2009" in die Stahlstadt zu holen. Darum sind Geldmittel - selbst für subkulturelle Aktivitäten - auch leichter locker zu machen als in Städten wie z.B. Innsbruck, das sich rein über den Sport definiert und den kulturellen Institutionen beständig den Geldhahn zudreht. Das alles begünstigt die Entwicklung unterschiedlicher Szenen, manchmal behindert es sie aber natürlich auch.
Wir nutzen diese Strukturen mit, ich traue mich zu behaupten wir sind auch ein kleiner Teil davon, aber das wichtigste ist uns, trotzdem unabhängig zu bleiben, also Independent im ursprünglichen Sinn. Aus Idealismus etwas zu tun, seinen eigenen Vorstellungen gerecht zu werden, und darauf keine Rücksicht zu nehmen ob es ein finanzielles Desaster wird (und das wird es immer) oder nicht, bzw. ob das was wir machen auch überhaupt jemanden interessiert.
Interstellar macht nichts um zu gefallen sondern weil es (uns) gefällt. Dementsprechend wichtig ist uns auch der persönliche Aspekt, in allem was wir anpacken - so gesehen ist, noch dazu in Zeiten des WWW, eine örtliche Nähe gar nicht mehr so wichtig. Vernetzung passiert deshalb ganz bewusst, ohne sich von Grenzen welcher Art auch immer einschränken zu lassen - es gibt zum Glück doch viele Bands und Labels, deren Verständnis von Kulturarbeit sich mit unserem deckt. Durch diese Zusammenarbeit ist es uns vielleicht erst überhaupt möglich, das ganze für uns sinnvoll weiterzuführen.

Wie wichtig ist Euch in diesem Kontext ein politscher Ansatz? Gibt es den und seht Ihr in dem was Ihr tut, ein auch wie immer geartetes subversives Potential. Und um gleich mit einer zweiten Frage anzuschließen: Bewegt Ihr Euch bewusst aus einer Szene (HC-Szene) heraus, um nicht von Prinzipientreue erdrückt zu werden, oder findet Ihr es okay, wie es derzeit so abläuft? Denn in musikalischer Hinsicht finde ich, dass Ihr ja alles andere als ein "Ich-weiss-ganz-genau-was-ich-da-bekomme" Label seid, so à la DEFIANCE RECORDS.

Eine sehr gute Frage. Ich glaube, wir sind alle grundsätzlich politische Menschen (im Sinne von 'selbständig kritisch denkend', nicht im parteipolitischen Sinn). Der politische Ansatz sitzt wohl in den Köpfen von jedem Einzelnen von uns. Und das fließt natürlich in Interstellar Records mit ein - wobei INT sich nicht bewusst als politisches Label definiert bzw. agiert. Projekte, die mit unseren Prinzipien oder Überzeugungen nicht vereinbar sind werden auch nicht gemacht - selbst wenn sie musikalisch durchaus auf INT funktionieren würden.
Diesbezüglich hat es auch nie Meinungsverschiedenheiten gegeben. Subversiv ist heute ja schon fast alles was aus der Norm fällt und auf gesellschaftliches Regelwerk bzw. Normen scheißt - so gesehen sind unsere Aktivitäten potentiell subversiv = gefährlich;-))
HC-Szenerie = starre Strukturen? Ja. Wir können/wollen unsere Wurzeln nicht verleugnen, (wie auch die der meisten INT-Bands) die definitiv im HC zu finden sind. Uns jedoch nicht nur darauf zu beschränken, war für jeden von uns schon vor Labelgründung klar. Eine Diskussion darüber, wie wir unseren Szenekosmos einzuschränken gedenken, ist auch irgendwie nie angeschnitten worden, das war für uns eigentlich immer unausgesprochener Konsens. INT hat keine bewussten Strukturen/Grenzen. Wir machen was uns gefällt.
Die Entwicklung von INT ist also auch sehr stark damit verbunden, wie wir uns als Einzelpersonen weiterbewegen. INT ist sicher immer schon ganz bewusst etwas außerhalb der Szene gestanden (das hat den Nagel auf den Kopf getroffen), und das, um ebendieser Erdrückungsgefahr zu entgehen, aber auch weil wir uns durch eben die starren Strukturen, Codices oder Verhaltensvorgaben innerhalb der Szene zu stark in unserer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sahen/sehen.
Ich denke, es ist in jeder Hinsicht wichtig offen für Neues zu sein, sei es Musik, Kultur im Allgemeinen, Leute, oder was auch immer. Nur so werden einem selbst neue Sichtweisen auf Altbekanntes und Bewährtes gegeben und lernt Neues kennen. Kritikfähigkeit ist dabei natürlich ein wichtiger Aspekt. Interstellar bedeutet 'zwischen den Fixsternen' - so definiert sich auch unsere Musik- bzw. Szenen(aus)richtung. Ich denke mehr ist dazu nicht zu sagen.

Ich möchte jetzt mal auf Eure "Artists" zu sprechen kommen. Wenn man sich Euren "Roster" genauer durchhört, merkt man, dass einem eine sehr große Bandbreite an verschiedenen Bands mit verschiedenen musikalischen Zugängen geboten wird. Seht Ihr trotz der musikalischen Vielfalt aber doch ein verbindendes Element zwischen den Bands? Wenn ja, wie setzt sich das zusammen, wie seht Ihr das? Und wenn ich jetzt noch einen Schritt weiter gehe: es muss ja sozusagen einen Konsens bei Eurer Entscheidungsfindung geben, ob Ihr jetzt mit einer Band zusammenarbeiten wollt, oder nicht. Wie schwer ist es dann für Euch, einen solchen zu finden?

Der interstellare Konsens. Der ist zum Glück doch eher leicht hergestellt, schon allein weil wir alle musikalisch im selben Teich fischen. Klar deckt sich nicht alles aber doch sehr viel - und schon allein aus finanziellen Gründen passieren nur Releases an denen Herzblut hängt. Und diesbezüglich hat es eigentlich noch nie größere Diskussionen gegeben.
Die Frage, mit welchen Bands/Leuten wir zusammenarbeiten wollen - und es letztendlich auch tun - ist auch schnell beantwortet: Es sind einfach Bands, die uns gefallen. Zum einen. Ein wesentlicher Aspekt ist aber der Persönliche. Die Chemie muss einfach stimmen. Inzwischen sind auch sehr viele der Bandmitglieder sehr gute Freunde von uns. Und zum Letzten spielt der Zeit-/Energie-Faktor halt auch eine große Rolle, d.h. können wir uns überhaupt noch eine weitere Band bzw. Release - jetzt vom Zeitaufwand, aber natürlich auch finanziell leisten. Immerhin sind wir alle berufstätig, spielen zum Teil in Bands, Richie macht Radiosendung, .......(and always more to come) Und gelegentlich muss auch mal was außerhalb des interstellaren- bzw. Musikumfelds passieren.

Der interstellare Konsens. Das find ich gut.....noch mal zum Label an sich: was wollt/könnt Ihr Euren Bands bieten? Sagt Ihr: "Okay, lasst uns was gemeinsam machen, wir stellen Euch die Vertriebsstrukturen zur Verfügung, machen Promo und checken Euch Gigs". Wie sieht das - wenn ich da meinen Gedanken weiterspinne - bei Euch mit Vertrieben im internationalen aber auch im heimischen Umfeld aus? Ist es leicht an welche ranzukommen, oder seid Ihr da eher zurückhaltender? (Ich mein das im Hinblick auf den Zusammenbruch von EFA-Medien).

Du hast eigentlich schon erwähnt was wir bieten können, sowohl die Vertriebsstrukturen, die Promotion und zum Teil checken wir auch den einen oder anderen Gig. Die Vorarbeit zu einem Interstellar-Release passiert natürlich in sehr enger Zusammenarbeit mit den Bands, und - was man sich ja auch von einem Label erwartet: die (Mit-)Finanzierung. Das ist natürlich immer eine Sache der Absprache mit den Bands, aber meistens läuft's so, dass wir die Pressung (oder den größten Teil davon) und die Band die Aufnahme finanziert.
Zu den Vertrieben im internationalen Umfeld: Schön wäre, wenn wir mehr Personen bzw. Labels kennen lernen könnten, die sich für Interstellar Releases genauso interessieren wie der Flo von La Belle Dame Sans Merci / Frankreich oder der Joris von Conspiracy Records / Belgien. Es gibt auch noch andere. Aber insgesamt gesehen muss der internationale Vertrieb definitiv ein besserer werden. Der "heimische" Markt funktioniert ganz gut: Mdos, Yummy, Substance, Infoläden, Cheapstore, Rave up... Außerdem nehmen "unsere" Bands meist auch Tonträger zu den Konzerten mit. Wir machen zumindest in Linz (aber auch gelegentlich in Innsbruck, und anderen Locations in OÖ) einen Plattenstandl bei den Konzerten. Auf die Großstrukturen scheißen wir, weil sich zum einen der Aufwand nicht lohnt, zum anderen ist uns der persönliche Kontakt ein sehr wichtiger. Wir überlegen uns sehr gut wer die Platten von uns vertreiben soll und wer nicht. Mundpropaganda ist immer noch die beste Werbung;-)

Wenn ich zuletzt noch auf etwas zu sprechen kommen darf, was auch wahrscheinlich Eure Promoarbeit betrifft: Wenn wir uns mal das Internet in Österreich genauer anschauen, gibt es im Grunde genommen einige Online-Mags, vor allem im Fanzinebereich. Schickt Ihr die Releases Eurer Bands auch zu eben genannten, oder denkt Ihr Euch: "Nein, das mit den Fanzines lassen wir mal, kritische Berichterstattung ist da sowieso nicht zu erwarten, ganz abgesehen von gut argumentiert", oder sagt Ihr: "Okay, lasst uns was hinschicken, da ist eigentlich schon unsere Community zuhaus", oder: schickt Ihr ohne mal viel dabei nachzudenken, etwas an Fanzines, weil Ihr da einen ideologischen Background, à la DIY vermutet und diesen dann doch unterstützen wollt. Wie handhabt Ihr das?

Die derzeitige Promotionarbeit geht inzwischen den Weg, dass wir nur mehr zu den Magazinen/Radiosendern Promos schicken, die uns auch sympathisch sind. Das hat nichts damit zu tun, dass wir uns soweit absichern wollen oder wir keine Kritik vertragen, sondern das hat inzwischen einen finanziellen Hintergrund: z.B. habe ich letztens ein Packerl Promos (2 x Vinyl und 5 CDs) nach Frankreich geschickt. Das hat uns über dreizehn Euro Porto gekostet. Das können wir uns in einem größeren Ausmaß definitiv nicht leisten, deshalb verschicken wir Promos nur mehr gezielt. Mit den "negativen" (wenn man diese als solche bezeichnen kann?) Reviews wird bei uns genauso gearbeitet wie mit den "positiven" - stehen bei uns zum großen Teil online. Anzeigen in Magazinen können wir uns leider nicht leisten.

Wenn wir schon bei der Medienlandschaft sind: würdet Ihr Euch für Österreich mehr Magazine wie zum Beispiel Skug oder Cracked wünschen?

Ja, unbedingt. Das Cracked ist sowieso unübertroffen und ist mit Abstand das Beste was ich je gelesen habe (kann sich noch wer an das Rache-Cracked erinnern? oder die Artikel Hardcore vs. Country), wobei es mir als Printversion schon besser gefallen hat als online. Ewig schade ist es auch um das Ex-Digest, wo auch ich (Richie) mitgeschrieben habe. Sehr wichtig und interessant finde ich die vermehrt auftauchenden Online Zines/Plattformen wie Dance of Days, Broken Violence, STNT, K-fuel und natürlich auch BIGKult. Dass es verstärkt Online-Magazine geben wird und die Print-Magazine weniger werden, liegt alleine schon aus finanziellen Gründen, Aktualität des Geschriebenen und natürlich der Möglichkeit, ein größeres Publikum zu erreichen, auf der Hand.

Bleiben wir noch ein bisschen bei der österreichischen Musiklandschaft. Wenn wir diese mal überblickend betrachten, ist auffällig, dass in den letzten Jahren sogenannte Bandcontests massenweise aus dem Boden schossen. Wie seht Ihr das von Eurem Standpunkt aus? Haben solche Veranstaltungen mal überspitzt formuliert nicht einen faschistischen Touch, da hier nun mal der Beste, sozusagen der Stärkste unter den Vielen gewinnt, quasi eine Selektierung vorgenommen wird? Hier wird ja Musik in ein Schema gepresst und mit Maßstäben gearbeitet, die ja doch aus dem "Mainstream" kommen (weil es ja nicht mehr per se auf den Inhalt sondern auf die Form ankommt). Ergebnis solcher Veranstaltungen ist dann meistens: "Schaut's her Leitln, so hat Musik zu funktionieren". Wenn das nicht so ist, ist es schlicht und ergreifend nicht gut. Oder es wird einem vermittelt, dass man zuwenig Fans hat und infolge dessen einfach schlecht ist usw. Oder seht Ihr darin (wie es ja einige Musikkritiker in den letzten Jahren behaupteten) ein Element von Demokratisierung (à la Starmania, jedem Einzelnen wird suggeriert, dass er/sie es in der Hand hat, wer gewinnt)? Mich würde da vor allem Eure Sichtweise interessieren, Ihr habt ja ein völlig anderes, wie soll ich sagen, Bewertungssystem...

Mercy: Das Wesen Bandwettbewerb ist mir als Musiker und aufgrund der Art, in welcher ich mich für Kultur interessiere, völlig unverständlich. Ich lese immer gern diverse Spams von selbsternannten Bandcontest-Helden. Meist läuft deren Banddasein in der Form ab, von Contest zu Contest zu jetten; mit dabei Freibier für die mitgenommenen "Fans". Der Erfolg im Sinne des "Mainstream"-Gedanken ist meist mäßig und wird auch immer so bleiben. Konzerte in Clubs gibt es nicht. Dass sich durch die mit Contests einhergehende Medienpräsenz, die ja von den veranstaltenden Konzernen so gewollt ist, ein gewisser Erfolg Einstellt, ist klar. Kompatibilität in Ton und Bild --> eigenständiger Sound.
Aina: Mit dem Wort 'faschistisch' wäre ich prinzipiell ein bisschen vorsichtig. Ich würde das Bandcontest-Unwesen maximal als pervers bezeichnen, nicht als faschistisch. Nur die starken überleben - das ist ein Naturgesetz. Nun zur eigentlichen Frage: klar sind Bandcontests Mainstream und somit Kommerz. Schlussendlich geht es doch nur darum, Musikmachende (Teenies) ein bisschen zu pushen und bekannt zu machen, ein paar Tonträger der Gewinner solcher Contests rauszubringen, damit soviel Geld rauszuholen wie möglich, und ein, zwei Jahre später verschwinden die Interpreten wieder in der Versenkung und warden nicht mehr gesehen. Für mich hat das ganze nichts mit Kunst zu tun, mehr mit (einem eventuell etwas erweiterten) Karaoke. Trotzdem hat es aber genauso seine Daseinsberechtigung wie alles andere auch - traurig ist maximal, dass es für diese Art der Auseinandersetzung mit Kunst/Kultur mehr Publikum gibt, als aktiv an der (eigenständigen, selbstorganisierten) Subkultur beteiligte.

Lasst uns noch tiefer in diese Thematik eindringen: Rainer Krispel in der Gap-Ausgabe Nr. 50, in seiner Demoheaven/Demohell-Ecke (ich zitiere): "Darüber hinaus bin ich der Meinung, dass der Musik in A nur durch das Überwinden der geschützten Werkstätten wie Bandwettbewerbe, Demo-Heaven/Demo-Hell-ecken, Heimspiel, Soundpark, Tonbandtest, VW Soundfoundation geholfen ist." Ich meine, dass Krispel hier genau den Nagel auf den Kopf getroffen hat. Glaubt Ihr das auch?

Richie: Hier hat der Krispel tatsächlich den Nagel auf den Kopf getroffen. Wobei ich sämtliche "geschützte Werkstätten" nicht komplett verurteilen möchte. Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich persönlich möchte ebendiese nicht in Anspruch nehmen wollen bzw. müssen. Aber Tatsache ist auch, dass es Musikerinnen erst einmal eine Plattform geben kann. Und Tatsache ist es auch, dass es Bands gibt die diese Plattformen (aus-)nützen; sei es eine Band die sich den VW-Soundfoundation-Bus zu mehr als günstigen Konditionen ausleiht; sei es zu spielen um überhaupt zu spielen; sei es Equipment relativ leicht zu gewinnen etc., trotzdem: Bandwettbewerbe haben für mich den Charakter von Starmania & Co und sind für mich irrelevant. Es gibt auch keine INT Band die je eine dieser oben genannten "geschützten Werkstätten" genutzt hat und wahrscheinlich auch nie nutzen wird.

Zum guten Schluss noch ein Namedropping:

Mainstream vs. Subkultur

Mercy: Produkt "Interpret/in" vs. Eigenständigkeit
Aina: Gib dem Affen Zucker. Ich will auf die Existenz des - was wir da jetzt grob verallgemeinernd als solchen bezeichnen - Mainstreams nicht verzichten, wir in der Subkultur Tätigen brauchen Abgrenzungsmöglichkeiten. Ansonsten kann ich nur dem letzten Satz von Richie zustimmen.
Richie: Mainstream vs. Subkultur ist nicht vergleichbar, am ehesten würde noch funktionieren Hochkultur vs. Subkultur bzw. Mainstream vs. Bloody Underground, wenn schon mit Begriffen. Aber grundsätzlich scheiße ich ja auf (diese) Begriffe. Ich kann bzw. will soweit möglich ohne sie leben. Schubladen benutze ich so wenig wie möglich (Bsp: es gibt für mich den Begriff Hardcore und der ist schon genug bzw. zuviel; und nicht auch noch Straightedgecore, Powerviolence, Moshcore, Oldschoolcore, Newschoolcore, Ambientbrachialcore, Posthardcore, Metalcore.....). Mainstream bedeutet für mich eine Anbiederung, Massentauglichkeit, Industriealisierung. Subkultur: ohne Kompromisse für sich selbst zu produzieren.

Metallica

Mercy: Einstige Helden vor Jahrzehnten. Jetzt Produkt
Aina: Die sind mir egal und auch immer schon gewesen. Was sie machen juckt mich soviel wie wenn ein rosa Esel am anderen Ende der Welt furzt.

FM4

Aina: ORF. Mehr muss man nicht dazu sagen.
Richie: Kontinuierliche Prägung durch die (Musik-)Industrie. Subkultur/ Independent-Charakter beinahe Null, gelegentlichst noch "Im Sumpf" oder "House of Pain".

Österreich

Aina: Hier lebe ich, hier bin ich geboren. Patriotismus liegt mir fern. Mittlerweile Resignation was die Parteipolitik betrifft.

Was würdet Ihr machen, wenn es INT nicht gäbe?

Aina: Bier trinken;-)
Richie: Ich würde in mindestens einer weiteren Band spielen, mich mehr um Freundin und Hund kümmern. Sollte diese Möglichkeit nicht bestehen, dann Resignation, Alkoholismus und dann Drogensucht wegen Sinnlosigkeit im Leben.

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